Endstation-Suchtstation

Der Platz in der Tagesklinik

Heute bin ich seit knapp zwei Monaten hier in der Klinik. Es ist einiges in der Zeit passiert, es waren schöne Dinge, es waren aber auch schlechte.

 

Nachdem ich in der letzten Woche meinen Geburtstag, gleich zweimal feiern durfte, verbrachte ich auch ein schönes Wochenende zuhause. Aber wenn ich direkt einmal bei meinem Geburtstag bleibe, erzähle ich euch zuerst davon. Nachdem ich bereits geschrieben hatte, vergaß mich die Klinik, allerdings nicht die Patienten. Bereits morgens bekam ich die ersten Glückwünsche und verbrachte den Vormittag auswärts, im örtlichen Eiscafé, mit einer Tasse Cappuccino. Es war nett, obwohl ich sicherlich gerne Zuhause gewesen wäre. Auf der anderen Seite war es sicherlich ein gutes Gefühl, nicht verkatert zu sein und den Tag trocken zu erleben. Leider spielte das Wetter nicht so mit, es war grau und nass. Auch meine Ex-Freundin Anna, gratulierte mir, mit einer Rechnung, von angeblich nicht bezahlter Miete und irgendwelchen offenen kosten. Aber selbst über diese absurde Beschuldigung, versuchte ich mich nicht irritieren zu lassen. Sicherlich erinnert ihr euch an diese Zeit und ich schrieb auch zwischendurch, die Vorgeschichte und ihren Rauswurf, der mit meiner kurzen Obdachlosigkeit hereinging. Aber lassen wir das Thema.

 

Nachmittags bekam ich jedenfalls Besuch von meiner Familie. Wirklich Überraschen und in dem Moment, wo meine Mutter draußen auftauchte, machte ich mich gerade los, in die Stadt. Leicht bestürzt davon, dass niemand aus meiner Familie kommen würde. Umso größer war natürlich meine Freude. Auch meine Freundin, Oma und Hans, sowie ein Kumpel kamen dazu. Im ernst, es war wirklich toll, auch wenn ich mich gerade ziemlich „Sachlich“ anhöre. Zwar war es nur eine kurze Zeit, aber eine, die mir kraft gegeben hatte. Zudem bekam ich eine super tolle Torte, selbstgemacht und mit viel Liebe. Das Ganze setzte ich dann letzten Samstag zuhause fort und grillte bei schönen sonnigen Wetter. Na klar, auch da waren es kurze Momente, an denen man merkte das die Gewohnheit noch Bestand hatte und der Alkohol kurz nach mir rief. Diese Situation verließ ich einfach und machte für einen Moment etwas vollkommen Anderes. Eben auch das, was ich hier in der Klinik lernen konnte.

 

Verabschiedungen sind nie wirklich meins. Der Sonntagabend, war vielleicht vom Wetter klar, aber vom Kopf sicherlich nicht. Ich war genervt, davon, wieder zurück zu müssen, traurig, nicht den Sonntagabend, ausklingen zu lassen. Wieder weg von zuhause und zurück in die Klinik, wo ich an einem Punkt angelangt bin, dass mir im Grunde alles auf den Nerv geht. Es flossen leichte tränen und ich ging in das Haus hinein, ohne mir anmerken zu lassen, dass auch bei mir ein paar Tränen laufen wollten. Ich machte mir Mut und wusste, das sich in dieser Woche das Problemlösen lässt und ich den nächsten Schritt gehe, was meine Therapie betrifft: Tagesklinik.

 

Es hat für mich einen großen Wert. Nicht nur der, dass ich täglich wieder zuhause sein darf, in meinem Bett schlafe und für mich alleine sorge, sondern auch der, mich an mein Zuhause zu gewöhnen, nicht nur als „Urlaubs-Wohnung“ nutze. Dort wo ich täglich neue Kraft tanken kann um in meiner Therapie weiter Fortschritte zu machen. Natürlich bleibt auch der Beziehungsaspekt, auch weil die Verabschiedungen, immer schlimmer werden und mich selber enorm belasten. Ich möchte mich an manche Dinge neu gewöhnen und anderes aufgeben. Nachdem ich dann heute den Termin bekommen habe und dieser erst am 29. August gelegt wurde, war ich doch irgendwo enttäuscht.

 

Mein Wunsch Termin wäre eine Woche früher gewesen, die Enttäuschung liegt darin, dass der besagte Termin von meinem Therapeuten kam und man mir sicherlich hätte entgegenkommen können. Einen Kompromiss machen. Wahrscheinlich denkt ihr nun, ich würde spinnen. Das tue ich allerdings ganz und gar nicht. Immerhin warte ich bereits seit drei Wochen darauf und ich denke, dass auch ich als Patient, solche Dinge mit abstimmen sollte. Der Grund liegt darin, das ich gestern endlich den Schritt gewagt habe, meinen Insolvenzanwalt anzurufen um mit ihm nach der Therapie einiges zu klären, welches Positiv ausgegangen ist. Genau diese positive Erfahrung, soll ich bis zum Wechsel in die Tagesklinik, verarbeiten und auf mich wirken lassen. Sicherlich steckt seitens der Therapeuten auch die Gefahr eines Rückfalls dahinter. Aber auch das finde ich völlig übertrieben. Andererseits, fand mein Therapeut meine Enttäuschung nicht ok. Naja, ich könnte auch aus dem „Nähkästchen“ plaudern und über manche Zustände in der Klinik plaudern, da sehe ich nämlich mehr Rückfall gefahren, als wie zuhause. Hätte man mir einen Kompromiss angeboten, wäre ich sicherlich nicht Enttäuscht gewesen, allerdings blieb ich enttäuscht, als man mir signalisierte, den 29.August oder gar nicht. Naja. Mir bleibt jedenfalls nichts Anderes übrig, als bis dahin noch durchzuhalten. Ein Abbruch an dieser Stelle, wäre keine gute Lösung. Also geht es von morgen bis Samstag wieder nachhause und dann steht eine erneute Verabschiedung auf dem Programm.

 

Ich bereue sicherlich nicht die Therapie und ich kann sie jedem nur empfehlen. Sie hat mich weit gebracht und das ist was an erster Stelle zählt, allerdings muss ich auch dazu sagen, dass es meine erste und letzte Therapie sein wird. Wichtig in der Therapie ist es, grundsätzlich bei sich zu bleiben. Nicht auf andere zu schauen. Das birgt Gefahren. Es geht immerhin um mein Problem und nicht um das der anderen, auch wenn es irgendwo Egoistisch klingt. Aber auch in der Welt draußen, ist es so. Gesunder Egoismus, ist nicht verkehrt. Sich Auseinandersetzen mit unangenehmen Dingen, ebenso. Das habe ich gestern festgestellt und letztlich hat es sich gut angefühlt, etwas zu erreichen, was positiv für mich ist. Ich bin noch weit am Anfang und es gibt noch einige Baustellen, die sich nicht „mal eben“ in Luft auflösen. Irgendwann wird der Tag kommen, da werde ich über viele Dinge lächeln und zurückblicken. Ganz sicher.

 

Es bedeutet immer arbeiten, für seine Ziele. Selber etwas dafür tun. Den Moment genießen. Positive Erfahrungen machen, aber auch aus Negativen lernen. Schlecht gelaunt sein und sich dafür nicht zu schämen. Es auf sich wirken zu lassen und am nächsten Tag, neu durchzustarten. Erfolg ist kein Glück. Erfolg ist Arbeiten und sich mit sich auseinanderzusetzen. Glück, haben wir alle in uns. Wir entscheiden jeden Tag neue Dinge. Jeder einzelne. Die Entscheidung beginnt schon morgens damit, ob ich den Wecker ausmache und weiterschlafe, oder den Wecker wahrnehme und aufstehe. Am Abend entscheide ich wieder, wann und ob ich schlafe. Genauso liegt es an mir, ob ich heute entscheide Glück zu haben oder Blind durch das Leben zu rennen. Ich. Nur Ich!

17.8.16 16:20

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