Endstation-Suchtstation

Einfach mal so...

Man merkt bestimmt, im Moment habe ich echt viel Zeit. Diese Woche und gerade gestern, sowie heute, besonders viel. Dabei fällt mir auf, dass ich in dieser Zeit, viel über mich und das geschehene nachdenke. Die Zeit für mich nutze. Ich weiß es nicht, ob es einen "Therapeutischen Hintergrund" hat oder eher Zufall ist. Immerhin hat das meiste in der Klinik irgendeinen bestimmten Hintergrund. Es ist ja nunmal Therapie und der Alltag fordert jeden Tag etwas von einem selbst. Seien es nur die drei Mahlzeiten am Tag oder die Gespräche der anderen Patienten. Wenn ich so überlege, haben selbst die Heimfahren einen Hintergrund. Selbst wenn ich es selber nicht direkt merke. Allerdings stelle ich genauso feste, dass es gar nicht tragisch ist. Ich bin weder im Urlaub noch auf einer "Kur Reise" um die Seele baumeln zu lassen. Ich bin hier um etwas zu verändern. Mich zu verändern und mein Leben zu Ordnen. Das nenne ich Therapie.

Auch wenn ich manchmal den Eindruck habe, therapeutisch alleine gelassen zu werden, muss ich mich damit abfinden, das wenn ich entlassen werde, ebenfalls auf eigenen Beinen stehe. Trotzdem viel mein angekündigtes Einzelgespräch, gestern, für mich flach. Es war ein kurzes Gespräch, zwischen Tür und Angel. Meine morgige Heimfahrt wurde genehmigt und mir kurz klar gemacht, dass ich an meinem Geburtstag nicht nachhause fahren darf. War gar nicht meine Frage gewesen. Mein Therapeut erzählte mir, dass er dafür seine Gründe hat, auch wenn er im Urlaub ist. Sollte er denken, ich wäre dann Rückfall gefährdet, muss ich dies absolut unbegründet abstempeln. Zum trinken, habe ich kein Geburtstag gebraucht. Zumal ich meine Geburtstage nachgefeiert habe und an meinen eigentlichen Geburtstag tatsächlich weniger trank. Außerdem ist es ein Tag, wie jeder andere, irgendwo. Den ich übrigens zum zweiten mal in einer Klinik verbringe. Glücklich, macht mich das also auch nicht wirklich. Auch wenn ich nicht weiß, was morgen ist, weiß ich, dass ich nicht mehr trinken möchte. Ich kann nicht sagen, für immer, allerdings kann ich dafür sorgen, das es so lange wie möglich so ist. Ich werde immer wissen, was passiert, wenn ich trinke. Selbst mit einem Rückfall, bin ich in die Spirale zurück gefallen. Andere haben damals gesagt, ich könne keine Verantwortung etc. Übernehmen. Vollkommener Quatsch. Wäre es so, würde ich heute nicht hier sitzen und gemütlich Cappuccino trinken.

Naja. Gibt halt Idioten, die so von sich überzeugt sind, dass sie ihren eigenen Dreck nicht sehen und andere verurteilen. Verdammt gut, dass ich solche Leute nicht mehr brauche, heute und darüber lachen kann. Erfolg hat drei Buchstaben: TUN.

Um kurz auf das Thema von gestern zurück zu kommen, was mein nicht stattfindendes Einzelgespräch betrifft, meinen Geburtstag feier ich trotzdem nach, klein und sicher ohne Alkohol. Meine Heimfahrt nächste Woche, misslichen bei der Vertretung beantragen. Ich sehe da allerdings kein Problem. Aber Überraschungen gibt es ja immer wieder. Was den Wechsel in die Tagesklinik betrifft, wird auch erst übernachste Woche besprochen. Immerhin, gehe ich da in meine neunte Woche von fünfzehn. Ganz langsam beginnt dann also das Ende und die Erledigungen von Dingen, die geklärt werden müssen, bis zu meiner Entlassung. Es wird, da bin ich mir sicher. Ich bin bis hierher gekommen und gehe weiter.

Fakt ist, es gibt für alles eine Lösung. Selbst wenn das Problem wirklich unlösbar scheint, einem den Boden unter den Füßen weg reißt. Glaubt mir, dass ist alles ein Schein, jeder selbst ist dafür verantwortlich, ob er aktiv dagegen handelt und alle Möglichkeiten ausnutzt um auf eine Lösung zu kommen. Mag sein, das nicht jede Lösung einfach ist, manche kostet verdammt viel Mut und Kraft, aber letztlich ist das Problem gelöst und der Druck verfliegt. Das gibt doch wohl mehr Kraft zurück, oder? Genauso wichtig ist es, sich zu trennen, von schlechten Dingen. Loszulassen um zu leben! Das bin ich am lernen und es fühlt sich großartig an, wenn mancher Druck, verfliegt.

So ist das. Gestern hab ich einen Song geschrieben. Seit Wochen schwirte mir da was im Kopf und gestern habe ich gefühlte tausend mal neu angefangen. Aber den verrate ich erst später. Mein Tattoo heilt auch. Das hat übrigens meine Freundin bezahlt, fast komplett. Sie hat mich einen Tag vorher, damit wirklich überrascht. Gerade, weil es nicht wirklich günstig war. Es war mir unangenehm, trotzdem habe ich mich darüber gefreut. Sie gibt mir in dieser kurzen Zeit viel und es ist schön, wie sie neben mir steht und mich bestärkt. Gerade für meine neue und trockene Zeit, ein guter Start. Das es nicht immer einfach ist, ist klar. Das ich Angst habe, genauso. Trotzdem, ich weiß heute, dass ich wichtig bin und weiß, dass wenn ich mich vernachlässige und nur auf mich nehme, wieder anfange zu drehen und letztlich wieder falle, wenn ich nicht aktiv werde. Natürlich bleibt ein Rückfall keine Schande, aber man muss es soweit, gar nicht erst kommen lassen.

Tat gut, das schreiben. Ich werde nun langsam meinen Cappuccino zuende trinken und zurück in die Klinik wandern. Gleich steht noch Sport und Küchendienst an. Morgen nochmal Küchendienst und dann geht es bis Sonntag Abend nachhause. Viel werden wir nicht machen. Es wird gemütlich, denn auch das muss mal sein. Euch ein schönes Wochenende.

5.8.16 15:18

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