Endstation-Suchtstation

Tag 32 - Das kommende Wochenende

Mittlerweile sind fast zweiunddreißig Tage vorbei. Eine Menge, allerdings liegen auch sicherlich noch drei Mal so viel, vor mir. Naja, morgen wären es noch zehn Wochen. Ok, ihr könntet den Eindruck bekommen, dass ich langsam die Tage nur noch abzähle und auf meine Entlassung warte. Das tue ich nicht, allerdings gibt es hier solche Listen, wo die Tage und Wochen draufstehen. Na gut, irgendwo zähle ich auch mit. Muss ich ehrlich zugeben. Aber es hat absolut keinen Einfluss auf meine Therapie. Meistens denke ich gar nicht daran. Nur am Abend, da kommen manchmal die Gedanken, daran, wie die Zeit hiernach sein wird. Wie lange ich bereits hier bin und wie auch die Zeit gewesen ist, bevor ich hierherkam. Gerade die Vergangene Zeit. Es gibt viele Dinge, die ich bereue. Sachen, die ich im klaren Kopf, sicher nicht getan hätte und auch nicht riskiert. Aber es ist okay. Es ist so wie es ist und geschehenes kann man nun mal nicht mehr ändern. Heute bin ich über jeden einzelnen Tag dankbar, mag er auch noch so stressig und Katastrophal sein. Mögen Tränen fließen oder auch nicht. Ich stehe jeden Morgen im trockenen Zustand auf. Ohne Kreislauf Probleme oder Übelkeit. Kein Zittern und kein denken, an die nächste Flasche Bier oder den nächsten klaren.

Ein tolles Gefühl. Zwar schlafe ich keine einzige Nacht durch, aber das ist das kleinste Übel und wird mit der Zeit, sicherlich auch wieder besser.

Überhaupt, war diese Woche eine reinste Katastrophe. Stress ohne Ende. Heute war der erste Tag, an dem ich wirklich mal durchatmen konnte. Die anderen Tage waren zu geschüttet mit Terminen, von morgens sieben Uhr, bis abends um acht Uhr oder sogar neun. Dementsprechend gereizt und müde war ich natürlich. Aber es hat eben auch den Effekt, zu lernen mit genau solchen Situationen umzugehen und nicht in Aggressiven verhalten zu fallen. Zumindest denke ich so. Diese Woche, habe ich mich dieser auch gestellt, und habe letztlich nachgegeben. Meinen „Sturkopf“ losgelassen. Das war selbst in meiner trockenen Zeit, absolut ein „No Go“. Jedenfalls habe ich es so nicht geschafft und erst recht nicht versucht. Man muss also auch mal nachgeben. Bestimmt nicht immer, aber eben in bestimmten Situationen. Manchmal ist es auch so, dass man etwas aufnimmt, was nicht so gemeint ist, wie es gesprochen wurde. Versteht ihr? Jemand sagt etwas und man fühlt sich angegriffen. Schnell bewegt man sich auf eine ganz andere Schiene und fast es Negativ auf. Mag auch sein, dass es sicherlich daran liegt, wie gerade die Stimmung, in einem selbst ist. Wenn man Genervt und gereizt ist, passiert es natürlich schneller, als wie, wenn man genau das Gegenteil davon ist. Wie auch immer, ich denke in manchen Situationen muss und kann ich mich selber einmal loben.

Diese Woche wurden mir auch nochmal, ein paar Dinge bewusst und Bildlich dargestellt. Es ist auch noch eine ganz andere Nummer, als sich manche Situationen nur im Kopf auszumalen. Solch ein Schaubild, löst etwas ganz Anderes aus und plötzlich werden einen Moment und Situationen klar. Zwar schlagen sie mit voller Wucht ein und man fragt sich, warum, aber dafür bin ich auch hier. Manche Fragen beantworte ich mir, andere wiederrum nicht.

Ja. Solch ein Klinikalltag hat natürlich auch seine Schatten Seiten und sicherlich ist nicht immer alles so wie es sein soll. Fehler passieren eben manchmal. Gerade was manche Organisationen angeht. Auch nicht jeder Patient, ist genau „Der“ mit dem man sich gerne Unterhält. Jeder ist verschieden und manche sehen es hier wie ein Hotel und schimpfen auf höchsten Niveau. Aber wo gibt es das nicht? Natürlich gibt es Momente, wo man sich ärgert und genauso Momente an denen man einfach irgendwas durch die Gegend werfen möchte oder schreiend durch den Wald rennt. Ja, so ist das eben. Regeln gibt es, da wusste ich noch nicht mal, dass so etwas überhaupt existiert. Andere Dinge sind für einen vielleicht vollkommen klar und Selbstverständlich, für andere allerdings nicht. Daher gelten eben Regeln, ausnahmslos für alle. Das muss man eben Akzeptieren.

Aber es gibt etwas Tolles, was ich mitteilen möchte. Ich war heute bei meinem Therapeuten und fragte nach einer Tagesfahrt. Daraus wurde eine Heimfahrt, mit zwei Übernachtungen. Vollkommen ohne Probleme und das tollste war, dass ich danach nicht fragte, sondern mein Therapeut es mir zutraute. Natürlich frug er mich, ob auch ich mir das zutraue. Ich stimmte zu und fragte im gleichen Atemzug, ob ich im Notfall zurückkommen könnte, also auch in der Nacht. Seitens der Klinik ist dies sogar gewollt und für mich definitiv eine erste Option, wenn ich merke, dass es mir Zuviel wird oder ich einen enormen Saufdruck bekomme. Ich verbringe das Wochenende mit meiner Freundin, ich werde also auch nicht alleine sein. Aber mir ist vollkommen klar, dass ich sicher wieder zurückfahren werden, wenn es Zuviel wird.

Ja!! Ich freue mich wirklich riesig. Ich habe auch schon einige Planungen für das Wochenende. Ich werde ein paar Besuche machen und genauso auch Unterwegs sein, aber mir ebenso Zeit nehmen um mein Zuhause zu genießen. Morgen um vier Uhr nachmittags holt mich meine Freundin ab. Vorher habe ich volles Programm. Küchendienst, Unterricht und Sport. Knappe neun Stunden durch. Aber die Freude ist da und morgen Abend grille ich mit meiner Freundin zusammen. Nur wir und in Ruhe. Dann werde ich die Nacht zuhause genießen. Sonntag werde ich dann zum Abendessen wieder hier in der Klinik eintrudeln. Gestärkt und Motiviert in die neue Woche starten. Wir hören uns also Sonntag.

Es geht endlich Bergauf. Ich spüre das ich mich in einem Veränderung Prozess befinde. Er tut mir gut und ich kann mich auch endlich wieder ehrlich auf manche Dinge freuen. Ich spüre die Belohnungen für meinen Kampf. Das alleine gibt mir mehr Mut und Kraft, aber natürlich auch meine Familie. Wir lesen uns…

21.7.16 20:39

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