Endstation-Suchtstation

Über

Ja ich bin Suchtkrank. Ich bin Alkoholiker. Süchtig nach einer Droge, die wir überall, an jedem Kiosk, an jeder Tankstelle, in jedem Supermarkt, und in jeder Kneipe bekommen können. Ich war in einer Suchtklinik und mochte mit anderen mein erlebtes teilen. Was es heisst Alkohol, als Suchtstoff zu konsumieren. Ist es wirklich nur ein Spass und etwas "normales"? Was macht der Alkohol mit uns? Warum trinken wir überhaupt? Ich erzähle die Tage meines Entzuges, wie mein Leben weiter geht und wie ich den Kampf gegen den Alkohol angehe und durchlebe. Um alle Personen in diesem Blog und in meinem Buch zu Schützen, sind Namen, sowie Orte frei erfunden. Alle Erzählungen entsprechen der Wahrheit. Ich schreibe meine Gedanken und meine Gefühle. Wie ich die Tage erlebe. Ich nutze das "Medium" schreiben, als meine Selbsttherapie und versuche offen mit meiner Erkrankung umzugehen, sowie anderen Menschen Mut zumachen. Etwas zu verändern und zu verdeutlichen!

Alter: 28
 


Werbung




Blog

Der letzte Tag mit 26

Heute ist der letzte Tag, der letzte mit meinen jungen sechsundzwanzig. Morgen beginnt für mich das nächste Lebensjahr, in diesem Leben. Da dachte ich mir, dass es Zeit ist, einmal in das vergangene Jahr zurück zu blicken. Einiges ist geschehen, manches war schön und anderes wiederrum nicht.

 

Heute vor genau einem Jahr, befand ich mich auf der Station C, in der örtlichen Suchtklinik. Nachdem ich meinen zweiten Suizid Versuch hinter mir hatte. Damals war ich in einer angespannten Phase. Trennung von Anna, mehrere Rückfälle und mein gesamtes Leben stand auf dem Spiel. Heute vor einem Jahr, wusste ich allerdings endlich, dass ich Alkoholiker bin und genauso wusste ich, dass ich eine Entscheidung treffen musste. Leben oder Sterben. Ich Entschied mich für das Leben, welches doch im Grunde schön ist. Trotzdem war ich angespannt, weil ich wusste, dass ich meinen Geburtstag in der Klinik verbringe. Ich wusste, dass mein Trennungsschmerz in mir saß und trotz allem wollen, war der Wunsch nach Alkohol absolut präsent. Die Klinik, entließ mich damals bewusst, erst einen Tag nach meinem Geburtstag.

 

Trotz allem denken, wie schlimm er werden könnte, war mein Geburtstag letztlich gar nicht so schlecht. Es war der erste, den ich Bewusst wahrgenommen habe. Trocken und ohne Alkohol gefeiert habe. Die ganze Station wusste damals Bescheid, dass mich meine Mutter, Hans und meine Großmutter, sowie eine Freundin besuchen kommen. Ich erinnere mich noch heute an diesen Tag, also war er tatsächlich nicht so schlimm. Es gab Kaffee und Kuchen und wir saßen circa zwei Stunden in der Cafeteria. Das Wetter war sonnig und warm. Damals sagte ich zu mir, dass ich meinen nächsten Geburtstag nicht in einer Klinik verbringe und Definitiv Abstinent feiern werde. Ich glaube, dass ich damals bereits, gedanklich am Planen gewesen bin. Aber von all dem abgesehen, schrieb ich damals folgenden Satz in meinem Blog: „…es waren schöne zwei Stunden, wenn ich auch anfangs überfordert gewesen bin, konnte ich in dieser Zeit den Klinikalltag vergessen…!“. So war es auch. Zwar saß ich am Abend noch lange draußen, alleine für mich und wartete darauf, dass vielleicht, doch Anna um die Ecke kommen würde. Immerhin, war es damals ein Brandaktuelles Thema und ich schindete noch immer Hoffnung in der Beziehung.

 

Das letztlich alles anders kam, als ich dachte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht. Wie auch? Aber ich wusste, trotz allem, wohin mein Weg geht. Unbewusst konnte ich ihn spüren. Natürlich waren die ersten Wochen nach meiner Entlassung, alles andere als einfach. Geplagt von Kummer und Sorgen, gestresst und genervt, aber ein Ziel: Die Langzeit-Therapie. Damals hatte ich sie beantragt und fünfzehn Wochen bekommen. Leider konnte ich nicht nahtlos, dorthin wechseln. Aber ich vertraute mir und kämpfte darum, die Zeit bis zur Aufnahme trocken zu überstehen. Ich habe es auch geschafft, trotz Hürden. Allerdings nur mit Ambulanter Hilfe durch meine Selbsthilfegruppe und ganz klar, durch meine Sozialpädagogin. Damals schrieb ich auch, wie heute und einige wissen sicherlich, welche Arbeit hinter mir steckte.

 

In der Zeit, bis zum Beginn der Langzeit am 8. Oktober 2015, wurde klar, dass die Beziehung mit Anna, ein endgültiges Ende fand und ich einen Neustart begann, mit einer neuen Wohnung. Damals renovierte ich dort ohne Hilfe, anderen. Bewusst, um Ruhe zu haben und am Ende sagen zu können, das war meine Arbeit. Ich fing an zu leben, ich begann die Welt zu genießen, mich nicht mehr beeinflussen zu lassen und war mir sicher, dass ich es schaffe. Sicher Abstinent zu leben. Meine Wohnung war ein Traum, auch wenn der Umzug Horror gewesen ist. Trotzdem habe ich es geschafft. Natürlich hatte ich Freunde, Freunde, die ich heute auch noch habe und diese auch als solche bezeichnen kann. Selbst dann, wenn man nicht täglichen Kontakt hat. Ich bekam viel Mut zugesprochen und auch meine Leser waren beeindruckt, von dem was ich schaffte.

 

Meine Langzeit habe ich angetreten, meinen Koffer ausgepackt um ihn am nächsten Tag wieder zu packen. Ich war nicht in der Lage, diese durchzuziehen. Mir ging es gut. Mir ging es endlich mal richtig gut. Ich wusste, dass ich die Therapie nicht durchziehen würde oder eher, mich nicht auf diese einlassen könnte. Dieser Meinung waren auch die Therapeuten und somit wurde ich am nächsten Tag wieder abgeholt, musste die nächste wichtige Entscheidung treffen. Ich wusste aber auch, dass ich eben nicht wusste, ob sie richtig oder falsch sein würde. Aber es war mir klar, dass ich irgendwann die Antwort bekommen würde. Auch war mir klar, dass ich nicht geheilt bin und weiterhin Einzelgespräche annehme, sowie meine Selbsthilfegruppe Besuche. Ich war von mir überzeugt, dass es reicht. Ja. Ich war in meinem inneren Frieden, war mir sicher und dachte gar nicht mehr, an meinen Kummer. Ich dachte, bis hierher habe ich es ohne Therapie geschafft, also komme ich auch weiter.

 

Die Zeit verging, ich ging schnell in eine neue Beziehung. Alles schien gut zu laufen. Ich hatte einen neuen Job, den ich mir aus mehreren raussuchte, ich nahm vierundzwanzig Kilo ab, unternahm Ausflüge und ging alleine für mich in die Stadt. Gönnte mir meine Auszeit und blieb in vielen Situationen absolut ruhig. Ja, ich war die Ruhe selbst.

 

Zum Ende des Jahres fing es langsam an, dass sich das Blatt drehte. Aber ich merkte es noch nicht selber. In der Silvester Nacht kamen mir tränen und ich erinnerte mich an den harten Kampf, den ich führte und ich hatte Angst bekommen. Angst vor dem was kommen könnte. Aber auch zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich weiter an meinem Ziel arbeite, auch wenn ich eines bereits abschreiben musste. Als das neue Jahr anfing, setzte ich mit ach und krach meinen Weg weiter. Ich merkte nicht, dass ich meine Ruhe verlor und ich nur noch im Streit lebte, die Schuld nur bei mir suchte und alles dafür tat, dass es aufhört. Ich immer und immer wieder kämpfte, mich drehte und wieder stand. Ich fing wieder an zu denken über Dinge, die nicht gewesen sind. Bildete mir Meinungen und Urteilte. Ich vergaß mich und selbst der Shopping Bummel oder die Tasse Cappuccino machte mir keine Freude mehr. Ich war am Suchen, suchen nach meiner Ruhe, bald krampfhaft und versteift. Ich fühlte mich nicht beachtet und verdrängt. Ich tauchte wieder in die Welt, in der alles schlecht gewesen ist. Ein Trinkwunsch folgte in den anderen und nachdem der Teufel damit nicht siegen konnte, kamen die Planungen des trinkens und der Saufdruck wurde stärker.

 

Ich versuchte zu Reden. Ich versuchte Stark zu sein, ich verspielte meine Karten, ohne Rücksicht. Ich hatte noch Energie und Kraft, die ich irgendwann auf den Tisch knallte und gnadenlos verspielte. Ja, ich habe die Gefahren unterschätzt. Ich habe die Sucht nicht mehr ernst genommen. Nicht mehr auf Menschen gehört, die mich warnen wollten. Ich war mir sicher und dachte immer wieder an die Zeit davor, wie es war, solch eine innere Ruhe zu haben. Ich wusste, dass ich wieder dorthin kommen MUSS. Zeit? Ich hatte keine mehr. Geduld? Wurde wieder ein Fremdwort. Ich konnte sicherlich tausende Warnsignale eines Rückfalls aufzählen, genauso wie ich wieder tausende Gründe fand, um zu trinken. Rückfall war damals mein aktuelles Thema, über das ich immer wieder redete. Wahrscheinlich um alle darauf vorzubereiten und mir den Freibrief, damit geben konnte. Die Situationen spitzten sich zu, die Schnur um meinen Hals wurde größer.

 

Es war im März, dieses Jahrs. Meine Ex-Freundin erzählte mir damals etwas Vertrauliches. Etwas was mich berührte, nachdem wir wieder einen großen Streit hatten. Am nächsten Tag wollte sie alleine sein und genau das, ließ mir keine Ruhe. Ich wusste, dass wenn ich alleine bin, der Rückfall vorprogrammiert ist. Als ich dann am nächsten Tag fuhr, saß ich keine fünf Minuten zuhause um die Entscheidung zu treffen, Alkohol zu besorgen. So war es auch. Ich holte nicht eine Flasche, gleich acht Flaschen und dazu zwei kurze. Ouzo. Mit dem ersten Schluck, stellte sich eine innerliche Ruhe ein. Der Teufel hatte gewonnen und ich fühlte mich Schwach. Ich trank die ersten zwei Flaschen rasend schnell und gleich einen kurzen hinterher. Das war der Startschuss. Ich wusste genau, dass ich nach über sechs Monaten Abstinenz, wieder gefallen bin. Aber es war mir egal. Ich dachte, jetzt brauch ich auch nicht mehr aufhören. So viel ich in mein altes Muster, binnen Stunden. Ich rief meine Ex in der Nacht an und drohte. Ich glaubte gar nichts mehr und es brauchte die halbe Nacht, als ich volltrunken in mein Bett gefallen bin und tatsächlich glaubte, die Welt sei in Ordnung. Natürlich war alles leer getrunken, auch der Nachschub, den ich mir irgendwann besorgt habe. Ich weiß bis heute nicht mehr, alles.

 

Mit diesem Rückfall, war meine Beziehung beendet und ich redete mir ein, dass ich jetzt auch weiter trinken könnte. Damals war ich nur wegen der Beziehung zwei Tage in der Klinik. Dann hatte ich mich entlassen um zum nächsten Supermarkt zu gehen. Mir war es egal. Mein Leben wurde mir wieder gleichgültig. Ich war der Meinung, dass der Alkohol zu mir gehört. Es schmeckte doch. Auch wenn alles schlecht gewesen ist. Die ganze Situation eskaliert ist, man mich verurteilte und beleidigte. Schicksal. Der Alkohol war da.

 

Es dauerte nicht lange, da verlor ich meinen Job, gab Geld aus, was ich nicht besitzte, machte Schulden und verkroch mich alleine in meine Wohnung, wo ich so stolz gewesen bin, dass diese Alkoholfrei bleibt. Ich ließ mich gehen und sorgte nur für Ordnung. Aber ich bemerkte schnell, dass ich es bereute, damals die Langzeit nicht gemacht zu haben und bekam meine Antwort. Die damalige Entscheidung war falsch. Ich wusste, dass ich nur eine einzige letzte Chance habe. Somit beantragte ich, dank Hilfe meiner Sozialpädagogin und meiner Selbsthilfegruppe die zweite Langzeit-Therapie.

 

Es dauerte drei Monate bis zu meiner Aufnahme und ich bekam nochmals fünfzehn Wochen genehmigt. Es war meine zweite Chance, ich wusste es. Ich trank in dieser Zeit weiter und die Menge wurde wöchentlich mehr. Ich ließ am Anfang den Schnaps wieder Weg, trank knappacht bis zehn Flaschen Bier. Zum Schluss waren es zwölf bis vierzehn und eine Flasche Ouzo in drei bis vier Tagen. Ich führte so manche Gespräche, wo mir angebliche Freunde erzählten, dass ich nicht Abhängig bin. Es sei nicht schlimm zu trinken, zwischendurch. Ich würde es mir nur einbilden. Ich ging zwischendurch in einer Kneipe arbeiten. Setzte mich nicht mehr mit mir auseinander. Ich wartete förmlich, auf Tag X und die Therapie. Fand Gründe zum Trinken und verletzte sicherlich, den einen oder anderen Menschen. Drängte mich in Situationen, die noch heute ungelöst sind. Der Alkohol glaubte gewonnen zu haben, doch unbewusst, war doch mein Herz stärker und der Kampf war noch lange nicht verloren.

 

Somit trat ich vor acht Wochen meine Langzeit-Therapie an. Verarbeite mein erlebtes, meine Vergangenheit und habe diese zum ersten Mal Akzeptiert. Ich habe verstanden, wo mein Problem liegt und arbeite täglich an mit. Ich beginne mich auseinanderzusetzen, mit schweren und scheinbar unlösbaren Aufgaben. Ich Akzeptiere und bin dabei, mir selber zu vergeben. Ich erfahre Hilfe und lerne, diese anzunehmen. Ich darf erfahren, welche Situationen mich Triggern und bekomme die Chance zu erlernen, mit welchen Skills, ich mich befreien kann. Doch auch wird mir klargemacht, dass die Arbeit, nach der Therapie noch lange nicht vorbei ist. Ich weiß, dass ich nicht mehr Blind durch die Welt rennen kann und ebenso nicht zu Sicher werden darf. Ich habe hier in der Therapie somit, bereits einiges lernen können, auch wenn ich sicherlich keine Lust mehr habe und mich manchmal alles hier nervt. Aber es ist ok, auch diese Situation, akzeptiere ich, weil ich weiß, dass es alleine meine Arbeit ist, alleine mein Leben, welches ich wiederaufbaue. Von vorne starte. Ich weiß, dass nicht immer alles so laufen wird, wie ich es gerne hätte, aber ich weiß, dass ich dafür sorgen kann das es in die Richtung gehen kann und ich mit negativen Gedanken, sicherlich auch negatives erreiche. Mein Therapeut hat da einen guten Ansatz: „Problemorientiertes denken, führt zu Problemorientierten Handeln. -> Lösungsorientiertes Denken, führt zu Lösungsorientiertes Handeln“!

 

Im Moment sind sicherlich noch einige Baustellen und ich werde sicherlich nicht das Wort in den Mund nehmen, dass alles wunderbar ist, aber was ich sage ist, dass ich Lebe und das Leben nicht schlecht ist. Wie ich damals sagte, es gibt immer etwas Schönes und in allem steckt genauso etwas Positives. Das durfte ich diese Woche in der Gruppentherapie hautnah erleben. Auch ist mir bewusstgeworden, mich von dem zu entfernen, was mir nicht guttut.

 

So, nun beende ich diesen letzten Tag und starte in die Nacht und den morgigen Tag. Ich bin gespannt wie er wird. Auch wenn ich sicherlich etwas traurig bin, hier zu sein, so weiß ich, dass ich am Freitagnachmittag wieder zuhause bin und Samstag im kleinen Kreis sitzen werde. Natürlich nur mit Kaffee und Kuchen.  

Einfach mal so...

Man merkt bestimmt, im Moment habe ich echt viel Zeit. Diese Woche und gerade gestern, sowie heute, besonders viel. Dabei fällt mir auf, dass ich in dieser Zeit, viel über mich und das geschehene nachdenke. Die Zeit für mich nutze. Ich weiß es nicht, ob es einen "Therapeutischen Hintergrund" hat oder eher Zufall ist. Immerhin hat das meiste in der Klinik irgendeinen bestimmten Hintergrund. Es ist ja nunmal Therapie und der Alltag fordert jeden Tag etwas von einem selbst. Seien es nur die drei Mahlzeiten am Tag oder die Gespräche der anderen Patienten. Wenn ich so überlege, haben selbst die Heimfahren einen Hintergrund. Selbst wenn ich es selber nicht direkt merke. Allerdings stelle ich genauso feste, dass es gar nicht tragisch ist. Ich bin weder im Urlaub noch auf einer "Kur Reise" um die Seele baumeln zu lassen. Ich bin hier um etwas zu verändern. Mich zu verändern und mein Leben zu Ordnen. Das nenne ich Therapie.

Auch wenn ich manchmal den Eindruck habe, therapeutisch alleine gelassen zu werden, muss ich mich damit abfinden, das wenn ich entlassen werde, ebenfalls auf eigenen Beinen stehe. Trotzdem viel mein angekündigtes Einzelgespräch, gestern, für mich flach. Es war ein kurzes Gespräch, zwischen Tür und Angel. Meine morgige Heimfahrt wurde genehmigt und mir kurz klar gemacht, dass ich an meinem Geburtstag nicht nachhause fahren darf. War gar nicht meine Frage gewesen. Mein Therapeut erzählte mir, dass er dafür seine Gründe hat, auch wenn er im Urlaub ist. Sollte er denken, ich wäre dann Rückfall gefährdet, muss ich dies absolut unbegründet abstempeln. Zum trinken, habe ich kein Geburtstag gebraucht. Zumal ich meine Geburtstage nachgefeiert habe und an meinen eigentlichen Geburtstag tatsächlich weniger trank. Außerdem ist es ein Tag, wie jeder andere, irgendwo. Den ich übrigens zum zweiten mal in einer Klinik verbringe. Glücklich, macht mich das also auch nicht wirklich. Auch wenn ich nicht weiß, was morgen ist, weiß ich, dass ich nicht mehr trinken möchte. Ich kann nicht sagen, für immer, allerdings kann ich dafür sorgen, das es so lange wie möglich so ist. Ich werde immer wissen, was passiert, wenn ich trinke. Selbst mit einem Rückfall, bin ich in die Spirale zurück gefallen. Andere haben damals gesagt, ich könne keine Verantwortung etc. Übernehmen. Vollkommener Quatsch. Wäre es so, würde ich heute nicht hier sitzen und gemütlich Cappuccino trinken.

Naja. Gibt halt Idioten, die so von sich überzeugt sind, dass sie ihren eigenen Dreck nicht sehen und andere verurteilen. Verdammt gut, dass ich solche Leute nicht mehr brauche, heute und darüber lachen kann. Erfolg hat drei Buchstaben: TUN.

Um kurz auf das Thema von gestern zurück zu kommen, was mein nicht stattfindendes Einzelgespräch betrifft, meinen Geburtstag feier ich trotzdem nach, klein und sicher ohne Alkohol. Meine Heimfahrt nächste Woche, misslichen bei der Vertretung beantragen. Ich sehe da allerdings kein Problem. Aber Überraschungen gibt es ja immer wieder. Was den Wechsel in die Tagesklinik betrifft, wird auch erst übernachste Woche besprochen. Immerhin, gehe ich da in meine neunte Woche von fünfzehn. Ganz langsam beginnt dann also das Ende und die Erledigungen von Dingen, die geklärt werden müssen, bis zu meiner Entlassung. Es wird, da bin ich mir sicher. Ich bin bis hierher gekommen und gehe weiter.

Fakt ist, es gibt für alles eine Lösung. Selbst wenn das Problem wirklich unlösbar scheint, einem den Boden unter den Füßen weg reißt. Glaubt mir, dass ist alles ein Schein, jeder selbst ist dafür verantwortlich, ob er aktiv dagegen handelt und alle Möglichkeiten ausnutzt um auf eine Lösung zu kommen. Mag sein, das nicht jede Lösung einfach ist, manche kostet verdammt viel Mut und Kraft, aber letztlich ist das Problem gelöst und der Druck verfliegt. Das gibt doch wohl mehr Kraft zurück, oder? Genauso wichtig ist es, sich zu trennen, von schlechten Dingen. Loszulassen um zu leben! Das bin ich am lernen und es fühlt sich großartig an, wenn mancher Druck, verfliegt.

So ist das. Gestern hab ich einen Song geschrieben. Seit Wochen schwirte mir da was im Kopf und gestern habe ich gefühlte tausend mal neu angefangen. Aber den verrate ich erst später. Mein Tattoo heilt auch. Das hat übrigens meine Freundin bezahlt, fast komplett. Sie hat mich einen Tag vorher, damit wirklich überrascht. Gerade, weil es nicht wirklich günstig war. Es war mir unangenehm, trotzdem habe ich mich darüber gefreut. Sie gibt mir in dieser kurzen Zeit viel und es ist schön, wie sie neben mir steht und mich bestärkt. Gerade für meine neue und trockene Zeit, ein guter Start. Das es nicht immer einfach ist, ist klar. Das ich Angst habe, genauso. Trotzdem, ich weiß heute, dass ich wichtig bin und weiß, dass wenn ich mich vernachlässige und nur auf mich nehme, wieder anfange zu drehen und letztlich wieder falle, wenn ich nicht aktiv werde. Natürlich bleibt ein Rückfall keine Schande, aber man muss es soweit, gar nicht erst kommen lassen.

Tat gut, das schreiben. Ich werde nun langsam meinen Cappuccino zuende trinken und zurück in die Klinik wandern. Gleich steht noch Sport und Küchendienst an. Morgen nochmal Küchendienst und dann geht es bis Sonntag Abend nachhause. Viel werden wir nicht machen. Es wird gemütlich, denn auch das muss mal sein. Euch ein schönes Wochenende.

Ohnmacht und Macht

Hallo da draußen in die weite Welt. Länger hat man leider nichts von mir gelesen. Liegt zum einen daran, dass ich nicht so wirklich die Zeit gefunden habe und zum zweiten mein Buch in Arbeit ist. Aber ich muss eich diesbezüglich leider vorerst Hoffnungen nehmen, es wird noch etwas Dauer, bis es veröffentlicht wird. Aber wo wir bei dem Thema "Buch" sind. Wer meine Facebook Seite "Alkohol? Nein, danke!" verfolgt, hat sicherlich gesehen, das ich Werbung für ein anderes Buch gemacht habe. Burkhard Thom hat sein Buch veröffentlicht "Alkohol - Die Gefahr lauert überall". Auf seiner Homepage www.Burkhard-Thom.de findet ihr alle Infos über dieses Buch. Wer sich dafür interessiert, sollte es sich bestellen. Ich unterstütze sowas gerne, alleine schon, weil es wenig solche Bücher gibt und es Mutig ist, offen darüber zu sprechen. Sich nicht zu schämen und aufzuklären, in die Öffentlichkeit zu treten und zu erreichen. Gute Sache.

Mir geht es einigermaßen gut. Mittlerweile habe ich aufgehört die Tage zu zählen. Die letzten Tage hatte ich einen leichten "Durchhänger" und tatsächlich auch Gedanken, abzubrechen. Gestern habe ich Bewusst die Hilfe der Gruppen Therapie gesucht und über meine Sorgen und Gedanken gesprochen. Es war sehr gut und ich habe festgestellt, dass ich eben nicht Machtlos bin und Ohnmacht in mir hatte. Ich habe Bewusst Macht über mich übernommen, indem ich darüber gesprochen habe und mir aktiv Hilfe gesucht habe. Es tat verdammt gut und ich könnte spüren, wie der Druck abfiel. Ja, alles was ich tue, Bedarf einer Entscheidung. Nur ich kann mich entscheiden und auch nur ich bin das Problem, wenn ich dies nicht tue und vor mir herschiebe. Auseinandersetzung. Aktiv handeln und Verantwortung übernehmen. Ich musste mir einen kurzen Moment klar machen, was mein Ziel ist. Einiges wurde mir plötzlich klar und die Gedanken, eines Abbruches verblassen immer mehr. Durchhalten und Arbeiten, statt Weg zulaufen. Mutig bleiben und auch offen seine Ängste eingestehen. Klar, ich habe mich auf eine neue Beziehung eingelassen, mit Kinder. Es ist alles schön, anders wie es davor gewesen ist. Ich werde unterstützt und tatsächlich vertraue ich seit langem, voll und ganz. Aber die Angst, zu verlieren, ist eben da. Erinnerungen an die Vergangenheit.

Ich habe angefangen, mich mit dem zufrieden zu geben, was ich heute besitze. Ich darf jedes Wochenende nachhause. Meine Freundin kommt mich oft Besuchen und wir unternehmen was, in meiner Freizeit. Bald gehe ich in die ambulante Tagesklinik. Ich tue viel für mich. Gehe in die Stadt, mache Sport, koche und bringe Ideen rein, nehme mir meine Auszeiten und habe seit zwei Tagen mein Tattoo, was bereits seit mindestens fünf Jahren mein Wunsch gewesen ist. Sieht übrigens toll aus und wird mich an meine Zeit hier, erinnern. Mein Therapeut machte mir Bewusst klar, das ich nicht Machtlos bin. Ganz im Gegenteil. Ich komme nachvorne und nehme die Therapie ernst und arbeite an mir. Alleine für mich.

Es geht Bergauf, auch wenn ich manches noch bearbeiten muss und es Dinge gibt, wo ich mich leider noch mit Ausseinandersetzen muss. Es wird. Gestern schrieb mir Anna, das erste mal, habe ich es locker gesehen und ohne Anspannung. Ich habe damit endlich abschließen können, genauso wie mit der anderen Geschichte. Mir ist klar, dass ich das ohne die Therapie, niemals geschafft hätte. So manches, wäre ein "Schein" geblieben und ein wackeliges Gerüst. Ich kann an dieser Stelle, jedem empfehlen, eine Therapie zu machen, für die, die ein Suchtproblem haben.

So. Heute steht nicht viel auf dem Plan, es wird etwas ruhig. Schade das dass Wetter mehr Herbstlich und verregnet ist, statt Sommerlich und Warm. Nächste Woche habe ich Geburtstag, da wird die Sonne scheinen. Aber im Grunde scheint sie jeden Tag.